PANIK-Netz: Patienteninformation zur Studie

Optimierte Behandlung von Panikstörungen

Hiermit laden wir Sie herzlich zur Teilnahme an einer Untersuchung ein, die zum Ziel hat, die Behandlung der Panikstörung mit/ohne Agoraphobie zu verbessern. Die Panikstörung mit/ohne Agoraphobie ist eine häufige Angststörung, die sich in wiederkehrenden Angstanfällen äußert. Damit verbunden ist die Angst vor bzw. das Vermeiden von Situationen und Orten, in denen bei Auftreten körperlicher Symptome eine Flucht schwierig oder Hilfe nicht verfügbar ist (Platzangst).

Die Untersuchung wird zeitgleich an sechs psychotherapeutischen Universitätsambulanzen in Deutschland durchgeführt. Insgesamt werden 450 Personen in der Studie untersucht. Die Studie wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

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Was sind die Ziele der Untersuchung?

Die Untersuchung soll Aufschluss darüber geben, auf welchem Weg eine spezielle Form der Psychotherapie, nämlich die so genannte Kognitive Verhaltenstherapie, bei Panikstörung und Agoraphobie wirkt. Um dies herauszufinden, erhalten Sie eine seit vielen Jahren bewährte und im Ablauf optimierte Psychotherapie. Zusätzlich werden wir durch den wiederholten Einsatz von Tagebüchern und Fragebögen sowie die Beobachtung physiologischer Reaktionen prüfen, bei welchen therapeutischen Übungen welche Veränderungen auftreten. Wir werden Sie darüber hinaus um eine Blutprobe bitten, um zu prüfen, inwieweit bestimmte genetische Faktoren mit der Krankheit und dem Therapieerfolg zusammen hängen.

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Wie läuft die Studie ab?

Um die wirksamsten Elemente der Behandlung zu finden, werden alle Patienten nach Zufall den verschiedenen Behandlungsarmen zugeteilt: beispielweise die Reihenfolge der interozeptiven Übungen,  und Expositionen mit oder ohne 
Angststeigerung. Diese Variation in den Behandlungsbedingungen hilft uns, zusammen mit den diagnostischen Untersuchungen, Vor- und Nachteile der unterschiedlicher Behandlungsarten gegenüber der Kontrollgruppe zu prüfen.

Alle Behandlungen werden von speziell trainierten und erfahrenen Therapeuten durchgeführt und fortlaufend in ihrer Qualität kontrolliert. Die Therapie umfasst 12 Sitzungen (Ausnahme: bei reinen Panikpatienten sechs Sitzungen) sowie zwei Sitzungen, die in größerem Abstand nach Ende der Therapie zur Auffrischung der Therapieinhalte durchgeführt werden. Bitte beachten Sie, dass einzelne Therapiestunden bis zu 120 Minuten dauern können. Im eigentlichen Therapiezeitraum sind zwei Therapiesitzungen pro Woche vorgesehen, so dass die Behandlungszeit insgesamt 8 Wochen umfasst. Neben der Therapie im engeren Sinne werden eine Reihe diagnostischer Untersuchungen durchgeführt, die weiter unten genau erklärt werden.

Die Studie wurde der Ethikkommission der Medizinischen Fakultät Carl-Gustav-Carus der Technischen Universität Dresden zur Begutachtung bezüglich ethischer Gesichtspunkte vorgelegt und von dieser positiv bewertet.

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Was beinhaltet die Studienteilnahme genau?

Die Therapie

Die Therapie ist in jedem Fall eine Einzeltherapie; dabei werden Sie mit einer Reihe von therapeutischen Hilfen und Übungen angeleitet, Ihre Angstreaktion zu bewältigen und Situationen, die Sie bisher vermieden haben, gezielt aufzusuchen. Der wichtigste Unterschied zwischen den beiden Therapiebedingungen ist, dass Sie in der einen Therapiebedingung die Problemsituationen nur im Therapieraum bearbeiten und besprechen, in der anderen Gruppe aber diese Übungen auch mit therapeutischer Begleitung in Alltagssituationen üben.

Während der Therapie, am Ende der Therapie und sechs Monate später werden die gleichen diagnostischen Erhebungen wie bei Einschluss in die Studie wiederholt, um den Therapieerfolg und die Wirkfaktoren zu messen.

Bitte beachten Sie,

  • dass das Symptom- und Verhaltenstagebuch in allen Untersuchungszentren mittels eines Taschencomputers (elektronisches Tagebuch, ESM) geführt wird. Dabei werden Sie zu insgesamt fünf Zeiten am Tag durch einen Signalton aufgefordert, Eingaben über Ihr aktuelles Befinden zu machen;
  • dass die Therapie nach einem vorgeschriebenen Behandlungsmanual durchgeführt wird, d.h. Ihr Therapeut und Sie erhalten in schriftlicher Form für jede Stunde und Ihr Verhalten zwischen den Therapiesitzungen genaue schriftliche Anweisungen;
  • dass einige der Therapiesitzungen auf Video aufgezeichnet werden, um eine Überprüfung der Behandlungsqualität zu ermöglichen. Die Videobänder sind nur einzelnen Studienmitarbeitern zugänglich und werden nach Beendigung der Auswertungen, spätestens jedoch nach 5 Jahren, gelöscht.

In beiden Bedingungen erhalten Sie weitere Aufgaben, die Sie zwischen den Sitzungen ausführen sollen. Diese Aufgaben dienen therapeutischen bzw. diagnostischen Zwecken.

Diese Verlaufsmessungen umfassen Fragebögen sowie das Ausfüllen eines elektronischen Tagebuchs über jeweils drei Tage. Diese Untersuchungen sollen prüfen, ob sich bereits ohne Behandlung Veränderungen der Beschwerden zeigen.

Auffrischungssitzungen

Acht und 16 Wochen nach Therapieabschluss findet jeweils eine therapeutische Auffrischungssitzung statt, in denen Inhalte der Therapie wiederholt werden. Diese Sitzung dienen der Festigung und Vertiefung bereits erreichter Veränderungen.

Voraussetzung für die Teilnahme an der Studie ist eine umfassende diagnostische Abklärung, bei der geprüft wird, ob die zur Anwendung kommenden Behandlungsmaßnahmen für Sie angezeigt sind.

Diese Eingangsuntersuchung umfasst

  • ein ausführliches klinisches Interview zu Ihrem Krankheitsbild und der Krankheitsentwicklung,
  • Fragebögen und ein Symptom- und Verhaltenstagebuch sowie
  • einen Verhaltenstest, um die Schwere Ihrer Erkrankung festzustellen. B diesem Verhaltenstest werden auch Ihre Herzrate, Ihre Atmung, die Hautleitfähigkeit sowie bei einer Zufallsauswahl von Patienten auch Stresshormone geprüft. Zur Prüfung der Stresshormone erhalten Sie eine Box mit Wattestäbchen, mit denen Sie selbst Speichelabstriche vornehmen sollen;
  • Einen Atmungstest, um den Einfluss verschiedener Atemmuster auf körperliche Reaktionen und subjektives Empfinden zu untersuchen.

Im Anschluss an diese Eingangsdiagnostik werden Sie über die Ergebnisse der Diagnostik und das weitere therapeutische Vorgehen aufgeklärt. Wenn Sie die Einschlusskriterien für unsere Studie erfüllen, werden Sie aus wissenschaftlichen Gründen zufällig einer der drei Untersuchungsbedingungen zugeordnet. Sollten Sie nicht für die Teilnahme an der Studie geeignet sein, werden wir uns bemühen, Sie in eine für Sie geeignete Therapie zu vermitteln.

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Was nutzt Ihnen die Studienteilnahme? Ist die Teilnahme freiwillig?

Die Studie bietet Ihnen die Möglichkeit, eine relativ kurze und wissenschaftlich gut fundierte Behandlung Ihrer Symptome zu erhalten. Mit Ihrer Teilnahme tragen Sie dazu bei, die Behandlung von Personen mit Panikstörung und Agoraphobie zukünftig weiter zu verbessern.

Die Studienteilnahme ist freiwillig. Es entstehen Ihnen keinerlei Nachteile in der Zukunft, wenn Sie sich gegen eine Studienteilnahme entscheiden. Darüber hinaus können Sie zu jedem Zeitpunkt, also auch während der Therapie, Ihr Einverständnis zur Studienteilnahme und den wissenschaftlichen Auswertungen widerrufen, ohne dass sich daraus Nachteile für Sie ergeben. Eine Angabe von Gründen ist dabei nicht notwendig.

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Gibt es irgendwelche Risiken?

Die geschilderten Untersuchungsmaßnahmen und die Therapie sind mit keinerlei Risiken oder Belastungen verbunden, die über die einer normalen Psychotherapie hinausgehen.

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Wie können Sie Kontakt zu uns aufnehmen?

Sollten Sie weitere Fragen zu unserer Untersuchung haben, oder sollten sich Fragen oder Probleme im Verlauf der Therapie ergeben, können Sie sich jederzeit an uns wenden. Wir werden Ihre Fragen umgehend beantworten. Sollten Sie später Ihr Einverständnis zur Teilnahme und der wissenschaftlichen Auswertungen zurückziehen wollen, wenden Sie sich bitte an Ihre Ambulanz.

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